Preisträger

2019

Erster Preis:

Das Projekt "Gebet.Zeit" im Kloster Hirsau

Das Gelände des alten Klosters Hirsau atmet – trotz oder vielleicht sogar gerade wegen seiner Fragmenthaftigkeit – etwas, was Menschen mit den Worten „Friede“, „Schönheit“ und „Transzendenz“ beschreiben. Es ist spürbar, dass dieser Ort ein geistlicher Ort war und ist. Pro Jahr besuchen zwischen 20.000 und 30.000 Touristen das Kloster Hirsau. Man könnte sagen: Der Ort Kloster Hirsau „verkündigt“ auf eine intensive, aber zugleich vage, deutungsbedürftige Art und Weise die Gegenwart Gottes. Und genau darin liegt ein großes Potential, das in den letzten sechs Jahren kontinuierlich „geistlich“ aufgebaut und immer weiter entwickelt wurde. Die Vision: Das alte Kloster Hirsau soll wieder neu zu einem Ort der Gottesbegegnung und des Gebets werden.

2017 entstand als großes ökumenisches Projekt in Zusammenarbeit zwischen dem Gastgeber innerhalb des Klostergebäudes – der evangelischen Kirchengemeinde Hirsau – und der katholischen Kirchengemeinde Hirsau-Bad Liebenzell, sowie den beiden evangelisch-freikirchlichen Gemeinden „Gemeinde Gottes Calw-Hirsau“ und „Immanuel-Gemeinde Calw“ das Format „Gebet.Zeit“. In der Zeit von zunächst versuchsweise 50 Stunden konnten Besucherinnen und Besucher Tag und Nacht in der noch erhaltenen ehemaligen Krankenkapelle des Klosters an rund 20 Stationen beten, ganz in der Tradition des ewigen Gebets.

Überrascht von der überwältigenden Reaktion sahen sich die Veranstalter ermutigt, dieses Angebot auszubauen auf 72 Stunden. Hinzu kamen einzelne Veranstaltungen, die verschiedenen anderen Formen von Gebet Raum gaben, und eine Ausstellung mit Bildern und Texten im Kreuzgang. Nachts wurde das Klostergelände auf besondere Weise in Licht getaucht. Etwa 400 Menschen waren gekommen, ca. 200 davon haben sich intensiver, zum Teil über viele Stunden hinweg, auf die Gebetsstationen und einzelne Veranstaltungen eingelassen.

Die Rückmeldungen zeigen, dass Gott in dieser Zeit Menschen heilsam berührt, Glauben gestärkt und geistliche Suchbewegungen intensiviert hat. Die Beobachtung ist: Wer erst einmal in Berührung gekommen ist mit „Gebet.Zeit“, kommt wieder und lädt Freunde und Bekannte dazu ein. In den folgenden Jahren soll der Zeitraum des Projektes „Gebet.Zeit“ ausgedehnt und der Bekanntheitsgrad gesteigert werden, um so von Jahr zu Jahr mehr Menschen erreichen.

Zweiter Preis:

Das Kinderhaus Sonneberg

Mitten im sozialen Brennpunkt der Plattenbausiedlung Sonneberg-Wolkenrasen (Thüringen) hat der Verein „Lebenswasser e. V. Sonneberg“ des Evangelischen Gemeindezentrums Wolkenrasen einen Flachbau erworben, um dort den Kindern neben einem Raum und guter Betreuung auch die aller ersten und einfachsten Grundlagen des christlichen Glaubens zu schenken. Der Verein hat es sich auf die Fahnen geschrieben, die Menschen in diesem weitgehend atheistischen Umfeld bis hinein in die Region mit dem christlichen Glauben und der heilenden Liebe Gottes bekannt zu machen. Dabei unterstützen die meist ehrenamtlichen Mitglieder die Arbeit der Evangelischen Gemeinde vor Ort in allen Bereichen.

Schwerpunkt ist das „Kinderhaus“ im Flachbau, in dem eine hauptamtliche Mitarbeiterin und zwei geringfügig Beschäftigte den Kleinen gestaltete Nachmittage anbieten. Durchschnittlich zehn Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren nehmen dieses wochentägliche Angebot an. Die Nachmittage sind strukturiert mit Glaubensvermittlung, aber auch mit Basteln und Musik machen. Hier lernen die Kinder, sich an Regeln zu halten. Das gibt ihnen Sicherheit und Geborgenheit. Dazu trägt ebenso bei, dass sie wissen: Hier finden auch ihre Alltagssorgen offene Ohren, hier gibt es auch ganz praktische und Hilfe und einen Nachmittagsimbiss und es gibt eine Hausaufgabenbetreuung. Einmal in der Woche wird sogar gemeinsam gekocht. Darüber hinaus werden themenbezogene Wochenend-Aktionen oder Ferienwochen geplant, die immer mit einem gemeinsamen Gottesdienst abschließen. Die Kinder und auch die Jugendlichen dürfen sich außerdem drei Mal im Jahr freuen auf abenteuerliche Ferienlager.

Zwei Ziele stehen für die Zukunft auf der Agenda des Vereins, der sich ausschließlich durch Spenden finanziert: Durch gemeinsame Feste oder Ausflüge zum Beispiel sollen auch die Eltern mehr mit ins Boot geholt werden und für die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden Schulungen und Weiterbildungen ermöglicht.

Dritter Preis:

Das Kirchenmobil "St. Marys" in Obernkirchen

Ein leuchtend blauer Bauwagen, vier schmale Fenster mit Rundbogen, ein Glockenturm oben darauf, drinnen vier einladende gelbe Sofas, an der Rückwand eine Kommode mit Kreuz und Kerzenleuchtern – fertig ist das Kirchenmobil "St. Marys"! Es ist ein Projekt der Evangelischen Jugend Obernkirchen und wird betrieben von Ehrenamtlichen der Evangelisch lutherischen Kirchengemeinde Obernkirchen am nordwestlichen Rand des Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg in der Landeskirche Hannover. Kirchenmobil-Kutscher und Techniker ist Vater Ralf Schönbeck; Tochter Julia Schönbeck, Theologiestudentin, ist die Projektleiterin. Und viele andere stehen ehrenamtlich hinter den Kulissen bereit mit Technik-Knowhow und Eventmanagement-Qualitäten, damit das Kirchenmobil „on tour“ gehen kann.

Zu sehen ist der kleine blaue Kirchenwagen auf Stadtfesten und Jugendfestivals, bei Kirchentagen und Demonstrationen gegen Nazis zum Beispiel.

Angekommen am jeweiligen Ort, geht es immer ganz schnell: Tür auf, Kerzen und Kreuz auf den Altar und eine Schachtel Kekse nach draußen auf den Stehtisch. Und dann: einfach nichts tun. „Wir stehen, lächeln und bieten Kekse an“, sagt Julia Schönbeck, „und wenn jemand möchte, dann spricht er uns an und wir können uns unterhalten.“ Manchmal bleibt es bei Fragen nach dem Bau und der Gestaltung des Wagens, oft aber erlebt das Team auch ganz besondere Momente, etwa wenn sich Gespräche über die ganz großen Fragen entwickeln, und spürbar wird, wie befreiend es zu wirken scheint, wenn da jemand ist, der einfach zuhören möchte. Es ist ganz leicht, ins Gespräch zu kommen. Es ist unverbindlich und authentisch. „Es geht nicht darum, neue Mitglieder zu gewinnen. Es geht darum, da zu sein und zu überlegen, was wir vor Ort in dieser Situation als Kirche Gutes tun können“, so Julia Schönbeck.

„Wir gehen raus, wagen uns aus den dicken Mauern unserer großen Sandsteinkirche heraus und lassen uns immer wieder überraschen, wo Gott schon so alles am Wirken ist, denn: Egal, wie sehr wir uns bemühen, neue Orte aufzusuchen, Gott ist immer schon da. Wir wollen zeigen, dass Kirche überall sein kann und vor allem, dass wir jeden willkommen heißen. Wir wollen Kirche sein für und mit denen, die in klassischen Gemeinden keinen Anschluss finden. Wir wollen unsere Perspektiven nutzen, unsere ganz eigene Sicht auf die Kirche, um sie zu bereichern und das bestehende Angebot von Kirche mit den Dingen, die wir gut können, erweitern. Wir wollen Kirche vor Ort sein und nehmen das ‚Zu-den-Menschen-Gehen‘ ganz wörtlich“.