Verkündigungspreis, Verleihung 2026
Bericht zur Preisverleihung am 14. Mai 2026
Pressemitteilung
Aachen, am 16. Mai 2026
Kirche wächst. Lebendige Kirche lernen von erfolgreichen Initiativen
Was heißt es heute, den christlichen Glauben erfolgversprechend zur Sprache zu bringen? Wie kann das gehen angesichts des verheerenden Imageproblems unserer Kirchen? – Kuratoriumsvorsitzender Jürgen Maubach würdigte die Leistung der drei überkonfessionellen, innovativen Preisträger*innen im Rahmen eines BestPractise-Workshops beim deutschen Katholikentag am Tag Christi Himmelfahrt am 14. Mai, Frei nach dem Motto: „Kirche wächst. Lebendige Kirche lernen von erfolgreichen Initiativen“.
Der erste Verkündigungspreis ging 2026 an das Projekt „Offene Trauerarbeit Sankt Klara“ der katholischen Kirche Nürnberg.
Das Projekt fußt auf der Beobachtung von Pastoralreferent Jürgen Kaufmann, dass vor allem in einer Großstadt trauernde Menschen häufig mit ihrer Trauer allein bleiben. Nach der Beerdigung, so der Preisträger, finden viele keinen Ort mehr, ihrer Trauer in einem entsprechend gestalteten Rahmen Ausdruck zu verleihen. Diese Möglichkeit will die offene Kirche Sankt Klara mit ihren Trauerangeboten bieten, ganz gleich, wo Betroffene gerade mit ihrer Trauer stehen. Da Trauer ein Prozess des ständigen Aufs und Ab ist, der Menschen auch nach langer Zeit erneut nahezu auf den Anfang zurückwerfen kann, kommen auch immer wieder Menschen zu den Andachten, die bereits vor langer Zeit schon einmal dabei gewesen sind.
„Raum für Trauer“: Den Anfang machte vor einigen Jahren die Idee, eine regelmäßige, niederschwellige und entsprechend offen gestaltete Trauerandacht anzubieten. Durch Nachfrage Betroffener wurde bald das Angebot ausgeweitet: Eine Trauerwand nimmt Herzensbriefchen an Verstorbene auf; eine „Herzenskinder“ – Andacht für verwaiste Eltern entstand. Eine „Du bist gegangen…“ – Andacht für Hinterbliebene nach Suizid wird regelmäßig gefeiert genauso wie die Andacht: „Wenn Lebensträume zerbrechen…“ – Scherbenandacht nach Trennung. Es entstanden auch eine „Du fehlst!“ – Andacht für Drogenopfer und eine „Hinter dem Horizont“ – Andacht für Vergessene.
Die Andachten haben von Anfang an eine große zahlenmäßige Resonanz erzielt: So kamen zu den Raum-für-Trauerandachten in den ersten Jahren manchmal zwischen 60 und 90, kurz vor Heiligabend auch schon 150 Menschen.
Der zweite Verkündigungspreis ging 2026 an das Projekt Secret Places der Jugendarbeit des Ev. Jugendwerks Kirchheim/Teck.
Vorsitzender Klaus Braun erläuterte, dass Jugendliche sich sehr gerne von der Überraschung anstecken lassen, die Secret Places ihnen bietet. Geheime oder geheimnisvolle Orte werden live entdeckt und für die Besucher erlebbar gemacht. Sie ermöglichen vor Ort den Zugang zu Orten, die sonst nicht für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen oder geben einmalige Einblicke hinter die Kulissen der Location.
- ein Interview mit einer Person, die mit dem Veranstaltungsort verbunden ist
- Live-Musik einer Band oder eines Künstlers
- und einen Impuls zum Abend, der in Bezug zur besonderen Location steht.
Das Besondere: Der Ort des Abends ist zunächst geheim und wird erst wenige Stunden vorher über Social Media bekannt gegeben, so Bezirksjugendreferent Lennart Freise.
Secret Places findet im Evangelischen Jugendwerk Bezirk Kirchheim/Teck nun bereits seit 2021 statt und wird von ca. einem Dutzend ehrenamtlicher Mitarbeitender unterstützt. Die Events werden jeweils von ca. 30 bis 50 Jugendlichen und jungen Erwachsenen besucht.
Secret Places hat einen klaren Verkündigungsauftrag und die besuchten Locations setzen Jesu Botschaft besonders in Szene: Mitten in der Werkshalle eines Metallbetriebes lässt sich gut darüber sprechen, wie wir Menschen Gottes Werkzeug sein können und im Einrichtungshaus stellt man sich die Frage, warum ein mündiger Glaube wie das Einrichten einer neuen Wohnung sein kann.
Secret Places will ein verlässliches Unterstützungsangebot für die Ortsgemeinden im Bezirk sein. Sie können mit ihren Jugendgruppen und jungen Erwachsenen-Kreisen eventartig daran teilnehmen und sich mit jungen Menschen aus anderen Gemeinden treffen.
Als Ev. Jugendwerk versteht sich der Veranstalter als Teil der Ev. Landeskirche und möchte ganz aktiv Beziehungen zur Zivilgesellschaft vor Ort aufbauen. Mit Secret Places sind sie bei Vereinen und Unternehmer*innen im ganzen Kirchenbezirk zu Gast, stärken ihre Netzwerke und hinterlassen ein positives Bild von Kirche bei Verantwortungsträger*innen.
Der dritte Verkündigungspreis ging 2026 an das Projekt „Feel the Spirit“ des Pfarramtes für ev. Schöpfungs-Spiritualität Jülich.
Das Projekt von „Natürlich auf Gottes Spuren“ startete im September 2024.
Mit „Feel the Spirit“ schaffte Pfarrerin Yara Hornfeck einen neuen Zugang zum christlichen Glauben, der weniger über Worte und den Verstand geht, als vielmehr den Weg über das Erleben und Erkunden nimmt.
Damit spricht „Feel the Spirit“, so die Preisträgerin nach einem bewegenden Einführungsvideo, eine Bevölkerungsgruppe an, die bisher in Kirche wenig Raum gefunden hat: Menschen, die die Begegnung mit Gott in seiner Schöpfung, in Natur und in der Tierwelt suchen. „Feel the Spirit“ geht auf ihr Lebenskonzept ein, das oft eine*n tierische*n Lebenspartner*in fundamental miteinschließt und Räume öffnet, um Gott in seiner Schöpfung zu begegnen.
Dabei vertraut „Feel the Spirit“ darauf, dass Gottes Geist ohne große theologische Intervention und frommen Wortgebrauch mit den Menschen in Beziehung tritt. Bewusst verwenden die Aktiven keine kirchlich geprägten Begriffe und wenig festlegende Worte. Bei „Feel the Spirit“ geht es darum, Geschmack am Glauben zu finden – im eigenen Leben.
Entsprechend steht bei „Feel the Spirit“ das eigene Erleben im Mittelpunkt – Stichwort: „eigenen Glauben be-greifen“. Dafür haben die Verantwortlichen die übliche Sonntags-Liturgie in erlebnis- und naturpädagogische Methoden übersetzt, z.B. spüren sie statt eines Sündenbekenntnisses nach, wie das, was Menschen belastet und begrenzt, mit jedem Schritt an den Boden abgegeben wird.
„Feel the Spirit“ bietet also bewusst einen sehr niedrigschwelligen Zugang zum christlichen Glauben aus dem Erleben heraus an.
Angesichts wachsender Einsamkeit in der Gesellschaft wächst hier eine Zielgruppe von Menschen mit eigenen Tieren, deren Bedürfnisse das Schöpfungspfarramt Jülich wertschätzend aufgreift.
Bei „Feel the Spirit“ – das sind Gottesdienste mit und in der Natur – sind immer auch bis zu 10 Mensch-Hund-Teams dabei, weil die Menschen dankbar sind, Gottesdienst gemeinsam mit ihren Hunden draußen erleben zu können. Weite Anreisen werden dafür in Kauf genommen, und es ist sehr berührend zu erleben, wie Mensch und Tier miteinander vor Gott zur Ruhe kommen.
Pressefotos zur Preisverleihung am 14. Mai 2026














