Preisträger 2026
Erster Preis: Offener Trauerraum St. Klara, Nürnberg
Nach der Beerdigung finden viele Menschen in großen Städten keinen Ort mehr, ihrer Trauer in einem entsprechend gestalteten Rahmen Ausdruck zu verleihen. Diese Möglichkeit bietet der Offene Trauerraum St. Klara in Nürnberg. Ganz gleich, wo Betroffene gerade in ihrer Trauer stehen, können Zielgruppen gerichtete Trauerangebote Halt, Trost und neue Perspektive geben. Da Trauer ein Prozess des ständigen Aufs und Ab ist, der Menschen auch nach langer Zeit erneut nahezu auf den Anfang zurückwerfen kann, kommen auch immer wieder Menschen zu den Andachten, die bereits vor längerer Zeit schon einmal dabei gewesen sind.
In Krisenzeiten finden seit den 2000er Jahren in St. Klara gewachsene, ausdifferenzierte spirituelle Angebote der Trauerhilfe statt. Diese richten sich besonders nach dem Publikum, das St. Klara aufsucht: Sinnsuchende, Zweifelnde, Menschen, die sich teils nicht mehr in den üblichen Gemeinden zuhause fühlen, die aber dennoch einen Ort der Spiritualität zu finden hoffen.
Den Anfang machte vor einigen Jahren die Idee, eine regelmäßige, niederschwellige und entsprechend offen gestaltete Trauerandacht anzubieten. Es entstand der „Raum für Trauer“. Offene Trauerandachten werden offen gestaltet, also im besten Wortsinn niederschwellig. Knappe meditative Textteile setzen Impulse, dazwischen ruhige Musik mit Piano oder Saxophon oder Gitarre; dazu feste Trauerrituale. Durch die konkrete Nachfrage Betroffener wurde bald das Angebot ausgeweitet: „Herzenskinder“ – Andacht für verwaiste Eltern. Es gab den starken Bedarf von Eltern verstorbener Kinder. Seit 2007 hat St. Klara neben dem Chorraum eine fest installierte Trauerwand, die auch außerhalb der Andacht-Zeiten gut genutzt wird.

Die Trauernden nahmen das Angebot stark an und gaben weitere Anregungen. Es entstand die Andachts-Reihe „Du bist gegangen…“ –für Hinterbliebene von Suizid betroffener Menschen. Und immer wieder mischten sich Menschen nach einer Trennung in die Trauerandachten. Deshalb entstand die Scherbenandacht nach Trennung unter dem Motto: „Wenn Lebensträume zerbrechen…“. Weiter bietet der offene Trauerraum in Nürnberg eine „Du fehlst!“ – Andacht an für Drogenopfer sowie eine „Hinter dem Horizont“ – Andacht für Vergessene.
Die Andachten haben von Anfang an eine große zahlenmäßige Resonanz erzielt: So kamen zu den Raum-für-Trauerandachten in den ersten Jahren manchmal zwischen 60 und 90, kurz vor Heiligabend auch schon 150 Menschen.
Das Team um Jürgen Kaufmann ist aktiv im Trauer-Netzwerk Nürnberg-Fürth-Erlangen, im Hospizverein Nürnberg und im Projekt Lacrima der Johanniter-Unfall-Hilfe vernetzt.
Das Kuratorium entschied sich für dieses Projekt, weil das unausgeschöpfte Potential an Verkündigung im Bereich Trauerarbeit riesengroß ist, und der offene Trauerraum zeigt, was alles machbar ist, sofern das Tabu Tod und Trauer vonseiten der Kirche als Feld der Pastoral und Verkündigung ernst genommen wird. Zur Nachahmung im städtischen Milieu dringend empfohlen.
Zweiter Preis: Secret Places
Secret Places ist ein Verkündigungsformat der evangelischen Jugendarbeit für Jugendliche und junge Erwachsene. Dabei werden geheime oder geheimnisvolle Orte live entdeckt und für die Besucher er-lebbar gemacht. Secret Places ermöglicht vor Ort den Zugang zu Orten, die sonst nicht für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen oder geben einmalige Einblicke hinter die Kulissen der Location.
Bei jedem Event gibt es ein Interview mit einer Person, die mit dem Veranstaltungsort verbunden ist, Livemusik einer Band oder eines Künstlers und einen Impuls zum Abend, der in Bezug zur besonderen Location steht.
Das Besondere: Der Ort des Abends ist zunächst geheim und wird erst wenige Stunden vorher über Social Media bekannt gegeben.

Secret Places findet im Evangelischen Jugendwerk Bezirk Kirchheim/Teck nun bereits seit 2021 statt und wird von ca. einem Dutzend ehrenamtlich Mitarbeitender unterstützt. Die Events werden jeweils von ca. 30 bis 50 Jugendlichen und jungen Erwachsenen besucht.
Das ev. Jugendwerk Kirchheim/Teck möchte mit Secret Places:
• einladen zum Glauben an Jesus Christus. Secret Places hat einen klaren Verkündigungsauftrag und die besuchten Locations setzen dabei Jesu Botschaft besonders in Szene. Mitten in der Werkshalle eines Metallbetriebes ließ sich gut darüber sprechen, wie wir Gottes Werkzeug sein können und im Einrichtungshaus ging der Impuls darum, warum ein mündiger Glaube wie das Einrichten einer neuen Wohnung sein kann.
- befähigen zu christlicher Jugendarbeit in den Gemeinden im Bezirk Kirchheim. Secret Places soll ein verlässliches Unterstützungsangebot für die Ortsgemeinden im Bezirk sein. Sie können mit ihren Jugendgruppen und jungen Erwachsenen-Kreisen eventartig daran teilnehmen und sich mit jungen Menschen aus anderen Gemeinden treffen. Somit bündelt das Projekt junge Leute aus verschiedenen Gemeinden, die sich angesprochen fühlen.
- begleiten im persönlichen Leben. Das Ev. Jugendwerk ist Teil der Ev. Landeskirche und möchte ganz aktiv Beziehungen zur Zivilgesellschaft vor Ort aufbauen. Mit Secret Places sind sie bei Vereinen und Unternehmer*innen im ganzen Kirchenbezirk zu Gast, stärken ihre Netzwerke und hinterlassen ein positives Bild von Kirche bei Verantwortungsträger*innen.
Das Kuratorium entschied sich für dieses Projekt, weil für Jugendliche der Bezug zwischen Glauben und alltäglicher Erfahrung verknüpft wird mit dem Abenteuer des Geheimnisses. Der Verkündigungsansatz lässt sich leicht kopieren. Zugleich werden Junge Leute erreicht aus verschiedenen Orten, die sonst eher auf Distanz zur Kirche bleiben.
Dritter Preis: Feel the Spirit
„Feel the Spirit“. Ein Projekt von „Natürlich auf Gottes Spuren“ des Projektpfarramtes Schöpfungsspiritualität, gestartet im September 2024.
Mit „Feel the Spirit“ schafft der ev. Kirchenkreis Jülich mit Pfarrerin Yara Hornfeck einen neuen Zugang zum christlichen Glauben, der weniger über Worte und den Verstand geht, sondern eher den Weg über das Erleben und Erkunden nimmt.
Das Projektpfarramt Schöpfungsspiritualität spricht damit eine Bevölkerungsgruppe an, die bisher in Kirche noch wenig Raum gefunden hat: Menschen, die die Begegnung mit Gott in seiner Schöpfung, in Natur und Tierwelt suchen. „Wir gehen auf ihr Lebenskonzept ein, das oft eine*n tierische*n Lebenspartner*in fundamental einschließt und öffnen Räume, um Gott in seiner Schöpfung zu begegnen“, so Pfarrerin Yara Hornfeck.

Weiter heißt es in der Bewerbung: „Dabei vertrauen wir darauf, dass Gottes Geist ohne große theologische Intervention und frommen Wortgebrauch mit den Menschen in Beziehung tritt. Bewusst verwenden wir keine kirchlich geprägten Begriffe und wenig festlegende Worte.“
Bei „Feel the Spirit“ geht es darum, Geschmack am Glauben zu finden – im eigenen Leben.
Entsprechend steht bei „Feel the Spirit“ das eigene Erleben im Mittelpunkt – Stichwort: „eigenen Glauben be-greifen“. Dafür hat Pfarrerin Hornfeck die übliche Sonntagsliturgie in erlebnis- und naturpädagogische Methoden übersetzt. Ein Beispiel: Beim Waldspaziergang spürt die Gruppe nach, wie das, was sie belastet und begrenzt, mit jedem Schritt an den Boden abgegeben wird; eine andere Form des liturgischen Sündenbekenntnisses.
„Feel the Spirit“ bietet also bewusst einen sehr niedrigschwelligen Zugang zum christlichen Glauben an, aus dem Erleben heraus.
Die Zielgruppe von Menschen mit eigenen Tieren wächst. In dem Projekt greift Pfarrerin Hornfeck den gesellschaftlichen Trend zur Einsamkeit offensiv auf. Die Bedürfnisse und Sehnsüchte einsamer Menschen finden mithilfe von Tieren wertschätzende Beachtung. Oft machen Menschen mit Tier zutiefst spirituelle Erfahrungen, die über das hinausreichen, was vor Augen ist.
Bei „Feel the Spirit“ – den Gottesdiensten mit und in der Natur – sind immer auch bis zu 10 Mensch-Hund-Teams dabei, weil die Menschen dankbar sind, Gottesdienst gemeinsam mit ihren Hunden draußen erleben zu können. Weite Anreisen werden dafür in Kauf genommen, und es ist sehr berührend zu erleben, wie Mensch und Tier miteinander vor Gott zur Ruhe kommen.
Das Kuratorium entschied sich für das Projekt „Feel the spirit“, weil hier ein weitgehen brach liegendes pastorales Feld für die Verkündigung erschlossen wird, bei dem das Erleben der Natur und von Tieren zur Grundlage von spiritueller Erfahrung wird.